Ich bin noch da
Eine Liebe, die am Rand beginnt —
und die Geschichte vom Mut, zu bleiben.
In einer regennassen Nacht in Tokio sucht Felix nur ein Motiv für seine Kamera. Was er auf einer Brücke über dem schwarzen Wasser findet, ist eine junge Frau, die mit dem Leben schon fast abgeschlossen hat.
Er müsste weitergehen. Es geht ihn nichts an.
Er bleibt trotzdem.
Kein Rettungsroman, keine einfache Romanze: ein psychologisch genauer Liebes- und Familienroman über Schuld und Verschweigen — und über die Frage, die bleibt, wenn zwei Menschen einander gefunden haben. Nicht: Kriegen sie sich? Sondern: Hält es?
Das Buch
Zwei Menschen am Rand. Eine Liebe, die bleibt.
Klappentext
In einer regennassen Nacht in Tokio sucht Felix nur ein Motiv für seine Kamera. Was er auf einer Brücke über dem schwarzen Wasser findet, ist eine junge Frau, die mit dem Leben schon fast abgeschlossen hat.
Er müsste weitergehen. Es geht ihn nichts an. Er bleibt trotzdem.
Kaede stößt ihn weg, mit jeder Faser. Sie ist scharf wie eine Klinge, verschlossen wie eine zugefallene Tür, und sie glaubt längst nicht mehr daran, dass irgendjemand bleibt — am wenigsten für sie.
Doch Felix geht nicht. Er drängt nicht, er rettet nicht, er ist einfach da. Und gegen allen Widerstand, gegen ihren Spott und ihre Angst, wächst zwischen ihnen etwas, das keiner von beiden mehr aufhalten kann.
Zwischen leuchtend roten Schreintoren, dampfenden Quellen und der stillen Weite einer Reise quer durch Japan verlieben sich zwei Menschen, die nichts härter gelernt haben als das Alleinsein — und plötzlich alles zu verlieren haben.
Denn Felix hat ein anderes Leben, das auf ihn wartet. Kaede trägt Narben, die kein Blick heilt. Und je näher sie sich kommen, desto unausweichlicher wird die Frage, die zwischen jedem Lächeln, jeder Berührung, jedem Abschied steht:
Was, wenn das, woran man sich endlich festhält, genau das ist, was man wieder loslassen muss?
Worum es wirklich geht
„Ich bin noch da" ist kein Rettungsroman. Felix kann nicht retten, und Kaede will nicht gerettet werden. Was zwischen ihnen entsteht, wächst langsamer und hält länger: geteilte Mahlzeiten, geliehene Worte, sechs Wochen Anwesenheit ohne Bedingungen.
Und der Roman erzählt, was Liebesgeschichten meist auslassen: den Preis. Einen Mann zwischen zwei Wahrheiten. Eine Frau, die sich ihr Leben Stück für Stück selbst zurückholt — niemand darf das für sie tun. Eine betrogene Partnerin mit eigener Stimme und eigenem Recht. Und in Japan eine Familie, deren Schweigen vier Jahre alt ist.
Niemand in diesem Roman ist ein Schurke. Jeder zahlt.
Einordnung
Psychologisch genauer Liebes- und Familienroman · Gegenwart · Deutschland und Japan · 55 Kapitel, rund 105.000 Wörter
Leseprobe
Der Anfang des Romans — das erste Kapitel, ungekürzt.
Es war ein später Sommerabend, als Felix durch die Immermannstraße lief.
Der Himmel über Düsseldorf war klar, obwohl für später Regen angekündigt war. Die Hitze des Tages hing noch zwischen den Häusern. Zwischen deutschen Geschäften drängten sich japanische Restaurants, kleine Bäckereien und schmale Supermärkte. Lampions hingen in Fenstern, Speisekarten bewegten sich träge im schwachen Wind, dazu das geschäftige Murmeln eines Viertels, das vertraut war und trotzdem ein wenig wie eine andere Welt wirkte.
Eigentlich war er nur losgegangen, um nicht in der Wohnung zu bleiben. Es hatte eine dieser Nichtigkeiten gegeben — er hatte vergessen, Svenjas Sachen aus der Reinigung zu holen, weil er über einer Lektion Schriftzeichen die Zeit verloren hatte. Sie hatte nicht einmal die Stimme gehoben. Sie hatte nur gesagt, dann fahre sie morgen früh eben selbst. Das war alles. Kein Vorwurf, an dem man sich hätte festhalten können. Genau das hatte ihn rausgetrieben.
Vor einem der Läden regte sich eine Stofffahne kaum merklich. Hell, darauf schwarze Schriftzeichen, die sich mit jeder Bewegung kurz verzogen und dann wieder klar hervortraten. Über dem Eingang summte eine Leuchtreklame und legte ihr Licht über den Stoff — Neon über Schriftzeichen, wie eine Straße, die aus einem anderen Land herüberkopiert worden war.
Felix blieb stehen.
ラーメン. Rāmen.
Noch vor ein paar Jahren hätte er kein einziges Zeichen lesen können. Er brachte sich die Sprache selbst bei, anfangs aus Neugier, später nahm er sogar Unterricht, aus Gründen, die er selbst nicht recht erklären konnte. Die Zeichen kamen ihm vertraut vor, ohne dass er gewusst hätte, warum.
Als Felix die Tür des Restaurants aufdrückte, schlug ihm sofort eine andere Wärme entgegen — dichter, würziger, voller Dampf und dem Geruch von Brühe, gebratenem Fleisch und Sojasoße. Das Stimmengewirr im kleinen Lokal war lebendig, aus der offenen Küche zischte es.
Für einen kurzen Moment blieb er einfach stehen und ließ alles auf sich wirken.
Dann kam sie schon auf ihn zu: eine junge Frau, vielleicht Anfang zwanzig, klein und auffallend flink in ihren Bewegungen, mit einem offenen, beinahe ansteckenden Lächeln. Sie verbeugte sich leicht und begrüßte ihn mit heller, lebendiger Stimme auf Japanisch.
Felix merkte gleich, dass sie kein Deutsch sprach. Vielleicht eine Aushilfe, dachte er, vielleicht für ein paar Monate hier, um sich etwas dazuzuverdienen. Sie hob fragend einen Finger, lächelte ihn an und legte den Kopf ein wenig schief.
„Hitori desu ka?“ Ob er allein sei.
Er nickte. „Hai, hitori desu.“
Für einen winzigen Augenblick veränderte sich ihr Gesichtsausdruck — dieses kurze Aufleuchten, wenn jemand etwas Unerwartetes hört. Ein Ausländer, der auf Japanisch antwortete. Dann lächelte sie noch breiter.
„Kochira e dōzo.“ Hier entlang.
Während er ihr folgte, fiel ihm auf, wie leicht sie sich zwischen den Tischen bewegte. Nichts an ihr wirkte aufgesetzt.
Der Tisch war klein, kaum groß genug für eine Schale, ein Glas und die Stäbchen. Felix setzte sich, legte seine Tasche neben den Stuhl und ließ den Blick durch den Raum wandern. Hände hantierten mit Töpfen und Schalen, Stimmen stiegen und fielen. Alles wirkte abgegriffen und lebendig.
Die Bedienung stellte die Schale mit beiden Händen vor ihn. Felix legte unwillkürlich die Hände kurz aneinander, senkte leicht den Kopf und sagte leise:
„Itadakimasu.“ Der Dank vor dem Essen.
Heißer Dampf stieg ihm entgegen. Die Brühe war cremig, intensiv, darin Schweinefleisch, Frühlingszwiebeln, Nudeln, ein halbes Ei. Nichts daran war elegant, und genau das gefiel ihm.
Der erste Löffel war so heiß, dass sich die Wärme sofort in ihm ausbreitete. Reichhaltig, tief, salzig, genau richtig. Für einen Moment verschwand alles andere — Düsseldorf, die Bewerbungen, die er nicht schrieb, seine Beziehung, die Erwartungen, die zu Hause auf ihn warteten. Es blieb einzig der Geschmack, die Wärme und das Gefühl, für ein paar Minuten dort zu sein, wo er schon lange hinwollte.
Felix beugte sich leicht über die Schale, zog ein paar Nudeln mit den Stäbchen nach oben und ließ sich einen Moment Zeit, bevor er weiteraß.
Direkt gegenüber kämpften zwei junge Männer gut gelaunt mit ihren Stäbchen, als wäre das Scheitern ein Teil des Erlebnisses.
Ein Stück weiter rechts saß ein Mädchen allein an einem Tisch, den Rücken leicht gekrümmt, völlig in ein Manga vertieft. Die Schale vor ihr dampfte noch, aber sie hatte seit Minuten nichts angerührt. Ab und zu schob sie sich mechanisch ein paar Nudeln in den Mund, ohne aufzusehen, als wäre sie nur halb hier.
Felix sah eine Sekunde zu lange hin. Er kannte das: mit dem Körper an einem Ort sitzen und mit allem anderen woanders sein.
Das warme Licht spiegelte sich in den lackierten Oberflächen der Tische. An den Wänden hingen japanische Schriftzeichen, teils ordentlich gerahmt, teils einfach aufgeklebt, als hätte jemand sie irgendwann angebracht und dann vergessen.
Der Gedanke an sie kam beiläufig, irgendwo zwischen zwei Bissen.
Svenja.
Von der Uni hatte er sie nur flüchtig gekannt. Nach seinem Umzug aus dem Münsterland nach Düsseldorf waren sie sich ein paar Mal auf dem Campus begegnet, dann hatten sie sich zufällig in einem Manga-Laden wiedergetroffen, zwischen hohen Regalen voller Bücher und Figuren. Sie hatte ihn erkannt, gelacht und ihn auf einen Kaffee eingeladen. Alles war leicht gewesen. Vielleicht zu leicht, wenn er ehrlich war.
Felix zog die Nudeln langsam ein und ließ sich Zeit beim Kauen.
Es war nichts falsch an ihr. Sie war freundlich, klug, verlässlich. Und doch fehlte etwas.
Auch heute hatte sie nicht gestritten. Man konnte mit Svenja nicht streiten. Man konnte nur eingeschnappt sein — und das war er, immer noch, und er wusste selbst, wie kindisch das war.
Felix sah sich wieder im Lokal um. Er mochte Orte wie diesen, die nicht geschniegelt waren, sondern gewachsen. Genau das zog ihn auch im Designstudium mehr an als alles Laute und Perfekte.
Als Felix schließlich die letzten Nudeln gegessen hatte, blieb er noch einen Moment sitzen.
Dann legte er die Stäbchen sauber nebeneinander, stand auf und griff nach seiner Tasche.
Die Bedienung bemerkte ihn sofort. Felix neigte leicht den Kopf. „Gochisōsama deshita.“
„Arigatō gozaimasu!“, erwiderte sie und verbeugte sich.
Er bezahlte und ging. Draußen war die Luft noch immer warm, aber der Abend hatte ihr die Schärfe genommen. Zwischen den Häusern hing ein feuchter Geruch nach Asphalt, Staub und Regen, der noch nicht gefallen war.
Der Duft des Restaurants hing noch in seiner Kleidung, während er ein paar Straßen weiter zum Café Tenten ging.
Dort war es ruhiger. Gedämpfte Stimmen, nur das leise Summen der Kaffeemaschine unterbrach die Stille ab und zu. Felix bestellte sich einen Earl Grey und wartete am Ende der Theke. Ein paar Menschen arbeiteten an Laptops, jemand schrieb in ein Notizbuch, eine Frau starrte gedankenverloren in ihre Tasse.
Dann fiel ihm ein Tisch am Fenster auf: Ein Laptop stand offen da, daneben Smartphone und Brieftasche, sorgfältig nebeneinandergelegt. Kein Mensch in der Nähe. Kein sichtbarer Hinweis, dass der Platz besetzt war. In Japan hätte ihn das nicht irritiert. Dort war es, so hatte er gelesen, fast selbstverständlich — Dinge einfach liegen zu lassen, als stille Markierung: Ich komme gleich zurück.
Hier fühlte es sich ungewohnt riskant an. Fast fahrlässig. Oder mutig.
Er konnte nicht sagen, was ihn mehr überraschte: dass jemand es tat oder dass es offenbar funktionierte.
Er nahm die Tasse entgegen, spürte die Wärme durch das Porzellan und suchte sich einen Platz, von dem aus er den Raum überblicken konnte, ohne aufzufallen. Der Tee war leicht, klar, ein feiner Zitrusduft stieg auf. Ganz anders als die schwere Brühe zuvor. Es passte trotzdem.
Die Tür ging auf. Für einen Moment drang Straßenluft herein — warm, feucht, unruhig — dazu drei englische Stimmen, lauter als der Rest des Cafés.
Drei Touristen traten ein, warfen sich kurze Blicke zu, als würden sie gemeinsam entscheiden, ob das hier der richtige Ort war, und steuerten dann den Tisch direkt neben Felix an.
Stühle rückten, Jacken wurden abgelegt, ein Rucksack fiel etwas zu laut auf den Boden.
„This place looks nice“, sagte einer von ihnen.
„Yeah, kinda cozy.“
Sie griffen nach der Karte, blätterten kurz — und dann blieb einer von ihnen hängen.
„Tenten“, las er laut.
„What do you think that means?“
„Maybe it’s the address? Like number ten, ten?“
Sie lachten leise und spekulierten weiter.
Felix musste unwillkürlich grinsen. Er senkte den Blick in seine Tasse, als wollte er das Lächeln darin verstecken.
Das Wort war ihm vertraut: Tentēn. Diese kleinen Striche, die einen Laut verändern können. Aus ka wird ga, aus etwas Weichem etwas Kräftigeres. Kein neues Wort — und doch ein anderes.
Sein Blick wanderte kurz zum Schriftzug an der Fensterfront, dann wieder zurück in den Raum.
Was hatte sich derjenige wohl gedacht, der diesem Ort diesen Namen gegeben hatte? Ein Insider für die, die es lesen können — oder mehr?
Vielleicht ging es genau darum.
Dass ein Moment derselbe bleiben kann — und trotzdem eine andere Färbung bekommt.
Felix nahm einen weiteren Schluck. Der Tee war inzwischen etwas abgekühlt. Fast besser so.
Als er später das Café verließ, war die Straße belebter geworden. Der Sommerabend hatte die Menschen nach draußen gezogen; Gruppen standen vor Restaurants, jemand lachte zu laut, ein Fahrrad klingelte, und aus offenen Türen zogen Gerüche von gebratenem Teig und süßer Bohnenpaste auf den Gehweg. Menschen kamen ihm entgegen, überholten ihn, blieben in kleinen Gruppen stehen. Immer wieder sah er japanische Gesichter, hörte Sprachmelodien, Pausen, Tonlagen, und für ein paar Straßenzüge wirkte alles wie ein schmaler Zwischenraum: nicht Deutschland, nicht Japan — etwas dazwischen.
Diesmal kam der Gedanke an sie nicht zufällig. Er stellte sich vor, wie sie jetzt zu Hause über ihren Unterlagen saß, mit Markierungen, Notizen, einem halb leeren Glas Wasser. Heute aßen sie getrennt. Das ließ sich mit dem Nachmittag erklären. Zumindest fast.
Auf dem Weg zurück besorgte er in einem kleinen japanischen Supermarkt noch eine Packung Mochi für sie, die klebrigen Reiskuchen. Als Entschuldigung. Oder als etwas, das einer Entschuldigung ähnlich genug sah, um ohne Worte auszukommen.
Als er in der Straßenbahn saß, wichen Lichter, Schriftzeichen und Stimmen langsam hinter der Scheibe zurück. Das Glas spiegelte sein Gesicht und darüber die letzten Farben des Abends, während draußen die Leuchtreklamen zu hellen Streifen verwischten. In seiner Tasche raschelten die Mochi leise.
Etwas von diesem Abend blieb an ihm hängen.
Die Wohnung war still, als Felix die Tür aufschloss. Nicht ganz ruhig — eher auf jene Weise still, in der man sofort merkt, dass doch jemand da ist. Aus dem Nebenzimmer kam das Rascheln von Papier.
Svenja. Wer sonst.
Er zog die Schuhe aus und stellte die Tasche ab.
In der Küche stand ein abgedeckter Teller auf dem Herd. Daneben ein Zettel in ihrer geraden, ordentlichen Handschrift: Falls du noch Hunger hast. 15 Minuten bei 150 Grad.
Felix blieb einen Moment davor stehen. Sie war ihm nicht einmal böse. Das machte es nicht leichter. Dann stellte er den Teller leise in den Kühlschrank und ging weiter.
Sie saß am Tisch, über Unterlagen gebeugt, Notizzettel in verschiedenen Farben um sich verteilt. Das Licht der Schreibtischlampe fiel konzentriert auf ihre Arbeit, während der Rest des Raums dunkler blieb. Sie bemerkte ihn erst, als er näher kam.
„Hey“, sagte sie, ohne ganz aufzusehen.
„Hey.“
Er zog die Mochi aus der Tasche und legte sie neben ihre Blätter.
„Für dich.“
Jetzt hob sie den Blick. Ein kurzes Innehalten. Dann nahm sie die Packung, öffnete sie vorsichtig und schaute kurz auf die Sorte.
Einen Moment lang sagte sie nichts.
Felix merkte es erst, als sie bereits wieder nach ihrem Stift griff.
Es war die falsche Sorte.
Sie sagte es nicht. Sie würde es nicht sagen. Und genau das setzte sich in ihm fest, während er sich gegen den Türrahmen lehnte und zusah, wie sie weiterschrieb.
„War dein Tag gut?“, fragte sie, ohne aufzusehen.
„Ja“, sagte er nach einem kurzen Moment. „Ganz gut.“
Sie nickte, als genüge das, und arbeitete weiter. Die Mochi-Packung schob sie ein Stück zur Seite.
Eingeordnet.
* * *
Spät am Abend kam sie herüber und setzte sich mit ihrem Glas neben ihn aufs Sofa. Nicht ohne vorher die Blätter zu einem ordentlichen Stapel zusammenzuschieben. Sie sah, womit Felix sich in der Zwischenzeit beschäftigt hatte.
Vor Felix lagen sein Reisepass, seine Kamera und eine dünne Broschüre: Japan in vier Jahreszeiten. Er strich gedankenverloren über den Umschlag.
„Ich glaube, ich will wirklich hin“, sagte er.
Sie sah von ihrem Glas auf. „Nach Japan?“
Er nickte. „Nicht nur nach Tokio. Also schon auch. Vielleicht eine Woche. Fotografieren, rumlaufen. Aber danach würde ich gern weiter. Andere Städte. Vielleicht kleinere. Ländlichere Gegenden. Einfach sehen, wie es dort wirklich ist.“
Svenja sah ihn an.
Nicht so, als würde sie überlegen, was sie antworten sollte. So, als hätte sie die Antwort schon längst.
„Und was bringt dir das?“
„Inspiration.“
„Für was genau?“
Er lächelte matt. Nicht, weil die Frage falsch war. Sondern weil er wusste, wie ungenau seine Antwort klingen musste.
„Für alles. Fürs Denken. Fürs Gestalten. Dafür, mal aus dem rauszukommen, was man sowieso schon kennt.“
Svenja hielt das Glas mit beiden Händen. Ihr Blick blieb bei ihm, ruhig, ohne Vorwurf.
„Felix“, sagte sie dann. „Du hast dein Studium abgeschlossen. Eigentlich wäre das jetzt der Moment, sich endlich um einen richtigen Job zu kümmern.“
Er sah auf den Reisepass. Natürlich hatte sie nicht unrecht. Gerade deshalb fühlte sich ihr Satz so unausweichlich an.
„Ich will ja nicht für immer weg“, sagte er. „Ich brauche einfach etwas Zeit.“
„Du klingst, als wärst du schon mittendrin.“
„Bin ich vielleicht auch“, antwortete er, bevor er darüber nachdenken konnte.
Danach wurde es still.
Svenja sah kurz zur Broschüre. Dann zu seinem Reisepass. Dann wieder zu ihm.
Und Felix merkte, dass sie ihn nicht fragte, ob er fahren wollte, sondern ob er wiederkommen würde — nicht laut, nur mit diesem Blick. Und er wich ihm aus, als hätte er ihn nicht bemerkt.
„Ich verstehe schon, dass dir das wichtig ist“, sagte sie schließlich.
Felix nickte. Aber an ihrem Ton hörte er, dass Verstehen und Mitfühlen nicht dasselbe waren.
* * *
Später, als sie im Bad war und man das Wasser rauschen hörte, saß er allein am Tisch und klappte den Laptop auf. Ein paar Klicks, dann erschienen Bilder von Tokio bei Nacht. Schmale Gassen mit warmem Licht, Verkaufsautomaten an jeder Straßenecke, winzige Restaurants in versteckten Seitenstraßen, kleine, aufgeräumte Wohnungen, irgendwo ein Tempel zwischen Häusern.
Es fühlte sich nicht fremd an. Eher fern.
Er dachte an die Wärme der Brühe, an die Stimme der Bedienung, an das Tenten, an die Straße, die sich für ein paar Stunden wie ein Zwischenraum angefühlt hatte.
Nur ein Vorgeschmack — aber genug, um zu merken, dass es ihm nicht mehr reichte.
Als er den Laptop zuklappte, war das Geräusch leise.
Die Entscheidung war es nicht.
Hier endet die Leseprobe.
Der Roman umfasst 55 Kapitel.
Über mich
Mika Wolter ist ein Pseudonym. Was darunter liegt, ist ein Jahr voller Notizen, geschrieben in der Dunkelheit.
Wie dieses Buch entstand
Dieses Buch begann nicht am Schreibtisch. Es begann nachts, unter der Bettdecke, mit einem viel zu hellen Handydisplay und dem Gedanken: Das muss ich festhalten, sonst ist es morgen weg.
Ein Jahr lang habe ich geträumt und Notizen gemacht, unzählige. Dann zwei Monate Ideen gesammelt. Dann vier Monate geschrieben.
Drumherum entstand ein Apparat, von dem ich anfangs nicht ahnte, dass man ihn brauchen würde: über hundert Seiten Charakterbögen, Kulissenbögen, Heilungsbögen, emotionale Bögen — und ein Motivregister mit mehr als vierzig Motiven, Chiffren und Easter Eggs, von denen einige vermutlich erst beim zweiten Lesen zu finden sind.
Es gab viele Tränen auf diesem Weg. Nicht alle waren meine. Die meisten entstanden beim Lesen der fertigen Kapitel — nicht, weil sie schlecht gewesen wären, sondern weil sie Gefühle ausgelöst haben. Ehrlich gesagt: Genau dafür war das alles.
Und es gab Ermutigung — von vielen, auch von Menschen, bei denen ich es nie vermutet hätte. Vielleicht ist das die schönste Nebenwirkung eines Buches: Man erfährt, wer einem etwas zutraut.
Am Ende bereue ich nichts.
Ein Detail, das niemand finden muss
Die Heldin heißt Kaede Hashimoto und lebt in Fukagawa. Ihr Vorname schreibt sich 楓 — ein Zeichen aus zwei Bausteinen: 木, der Baum, und 風, der Wind. Hashimoto heißt wörtlich „der Fuß der Brücke". Fukagawa heißt „der tiefe Fluss".
Ihr ganzer Name ist die Szene, in der alles beginnt: der Baum im Wind am Fuße der Brücke über dem tiefen Fluss.
Im Buch wird das nirgends erklärt. Wer es findet, hat es verdient.
Kontakt
Der Roman ist fertig — und sucht seinen Weg zu den Lesern.
Das Manuskript ist abgeschlossen: 55 Kapitel, rund 105.000 Wörter. Es befindet sich derzeit im Lektorat. Verlage und Agenturen erhalten auf Anfrage gern das Exposé und das vollständige Manuskript.
Für Leserinnen und Leser, Verlage, Agenturen — und für alle, die wissen wollen, wann es losgeht.
Wenn du erfahren möchtest, sobald „Ich bin noch da" erscheint: Schreib mir einfach eine Mail mit dem Betreff „Erscheint" — dann melde ich mich, wenn es so weit ist. Keine Werbung, keine Liste, kein Newsletter-Tool. Nur eine Nachricht.
Impressum
Angaben gemäß § 5 Digitale-Dienste-Gesetz (DDG)
Diensteanbieter
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Deutschland
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